Die geheimen Stärken des Kalks

Er hinterlässt sichtbare Spuren auf Armaturen, Fliesen, Duschkabinen und im Wasserkocher. Wird Wasser erwärmt, bildet sich auf verschiedensten Oberflächen und Rohrleitungen eine weiße Schicht, die sich durch bloßes Abwischen nicht entfernen lässt: Kalk ist deswegen im Haushalt alles andere als beliebt. Trotzdem begegnen wir ihm viel häufiger als wir denken – und die Natur und wir hängen unmittelbar von ihm ab. Warum wir den Kalk lieben lernen sollten.

Verkalkte Rohre sind ärgerlich, doch vor allem für die Landwirtschaft ist Kalk immens wichtig. Credits: Tina Nord/Pexels

Vorweg sollte gesagt werden, dass Wasser und somit auch der darin gelöste Kalk von der Natur nicht dazu vorgesehen war, durch Rohrleitungen oder Schläuche einer Kaffeemaschine zu fließen oder gar in ihnen erwärmt zu werden. Wird Wasser erhitzt, wird Kohlensäure aus dem Wasser getrieben. Somit kippt das sogenannte Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht des Wassers zugunsten der Kalkkonzentration, die sich erhöht. Der überschüssige Kalk fällt dann aus, was zu sichtbaren Ablagerungen auf Rohren, Heizspiralen und Armaturen führt. Sehr kalkhaltiges Wasser kann zudem den Geschmack beliebter Heißgetränke wie Kaffee oder Tee verändern.

Diese Dinge sind ärgerlich und unliebsam, doch eigentlich hat Calciumcarbonat, aus dem Kalkstein hauptsächlich besteht, viele Eigenschaften, die unser Leben erleichtern. Vor allem für die Landwirtschaft, die Industrie und auch für den Umweltschutz ist Kalk als natürliches Allround-Talent ein wichtiger Rohstoff.

Calciumcarbonat: Stark gegen Säure

Kalk ist sehr bindungsfreudig und wirkt gleichzeitig neutralisierend. Treffen Regentropfen auf den Boden, geht das im Kalkstein enthaltene Calciumcarbonat auf natürliche Weise im Regenwasser als gut lösliches Calciumhydrogencarbonat in Lösung. Ist der Regen sauer, neutralisiert das Calciumcarbonat die Säure im Wasser. Auf diese Weise wirkt das für die Natur so wichtige Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht und der pH-Wert des Wassers sinkt nicht ins stark saure Milieu, sondern bleibt im neutralen pH-Wert-Bereich. Dies ist wichtig, da das meiste Leben im Pflanzen- und Tierreich nur im Bereich von pH 7 gut gedeiht.

Für die Waldbestände und die Landwirtschaft ist Kalk daher essentiell. Durch Luftverschmutzung und landwirtschaftliche Nutzung versauert stetig der Boden. Um ein Baumsterben in besonders kalkarmen Regionen zu verhindern, werden pro Jahr rund 165.000 Tonnen Kalk mittels Hubschrauber und anderer Gerätschaften auf die Waldflächen verteilt. Ein ausgewogener Kalkgehalt ist gerade für landwirtschaftlich genutzte Böden unabdingbar.

Quellen: