Mineralien im Trinkwasser – so schmeckt Natur

Trinkwasser enthält eine Vielzahl von Mineralien, Salzen und Spurenstoffen, die nicht nur alle wichtigen Körperfunktionen aufrechterhalten, sondern auch den individuellen Geschmack eines Wassers bestimmen. Egal ob salzig, bitter oder süß, ob still oder mit Kohlensäure versetzt, aus der Wasserflasche oder direkt aus der Leitung: Es sind maßgeblich Calcium, Magnesium, Natrium, Hydrogencarbonat, Sulfat und Co., die darüber entscheiden, wie und ob uns ein Wasser schmeckt.

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Bevor wir das kühle Nass genießen, hat es eine lange Reise durch verschiedene Boden- und Gesteinsschichten hinter sich. So entsteht der „geologische Fußabdruck“ und das spezifische Mineralienprofil. Dolomit, Gips oder Kalkstein sind beispielsweise wasserlöslich und setzen daher Calcium, Magnesium, Hydrogencarbonat und/oder Sulfat frei. Besteht ein Gestein hauptsächlich aus Quarzen wie Granit und Gneis, nimmt das durchfließende Wasser weniger Mineralien auf.

Das hat zur Folge, dass der Mineraliengehalt je nach Ursprungsort stark schwankt. Das Berliner Leitungswasser enthält laut Angabe der örtlichen Wasserwerke im Schnitt ungefähr 107 Milligramm Calcium pro Liter und 10,9 Milligramm Magnesium pro Liter. Es ist mit 17,5 °dH (Deutscher Härtegrad) im deutschlandweiten Vergleich ein hartes Wasser, denn Calcium und Magnesium bestimmen den Gesamthärtegrad. Dagegen ist das Bonner Leitungswasser mit einer Calcium-Konzentration zwischen 22,5 und 38,3 Milligramm pro Liter, einer Magnesium-Konzentration zwischen 4,7 und 7,7 Milligramm pro Liter und einem Härtegrad zwischen 4,2 und 7,1°dH weich. Nicht zufällig wird Wasser mit geringem Mineraliengehalt auch als „weich“ wahrgenommen.

Wassertrinken als multi-sensorisches Geschmackserlebnis

Der Mensch besitzt etwa 5.000 bis 10.000 Geschmacksknospen, mehr als jedes andere Säugetier. Unsere gustatorischen Wahrnehmungsorgane (Zunge, Nasenrachen, Kehlkopf, obere Speiseröhre, Gaumensegel) erlauben es uns, zwischen den Geschmacksqualitäten salzig, süß, bitter, sauer und umami zu unterscheiden und die aufgenommene Nahrung hinsichtlich ihres Gehaltes an Mineralien und anderen lebensnotwendigen Nährstoffen zu prüfen. So ist es uns möglich zu unterscheiden, ob ein Wasser eher salzig, süß oder bitter schmeckt. Die Feinheiten nehmen wir unterschiedlich wahr: Schmeckt ein Wasser im hinteren Zungenbereich beispielsweise eher salzig-herb, erscheint es an der Zungenspitze mild.

Enthält ein Wasser viel Natrium schmeckt das Wasser salzig. Magnesium in Kombination mit Chlorid ergibt einen kreidigen, leicht staubigen Geschmack im Abgang und kann auch als bitter wahrgenommen werden. Magnesium in Kombination mit Sulfat ergibt bei dem einen Menschen einen insgesamt süßlichen Geschmack des Wassers, andere empfinden das Wasser als bitter. Calcium in Kombination mit Chlorid oder Sulfat ergeben ein mehliges, kratzendes oder sogar austrocknendes oder stumpfes Gefühl im Gaumen. Ein mittlerer Hydrogencarbonatgehalt in Kombination mit Calcium und Magnesium lassen das Wasser rund und ausgewogen schmecken. Menschen mit empfindlichem Magen sollten Wasser mit einem hohen Hydrogencarbonat-Gehalt trinken, da Hydrogencarbonat als Säurebinder fungiert und es macht Trinkwasser für empfindliche Mägen bekömmlicher. Staatlich Fachinger Mineralwasser ist beispielsweise wie Medizin für Menschen mit Sodbrennen. Der hohe Hydrogencarbonatgehalt von 1.846 mg/L neutralisiert die Magensäure und sorgt so für Wohlbefinden nach dem Essen und unterstützt die Regulierung des Säure-Base-Gleichgewichts im Körper.

Kohlensäure verleiht dem Wasser einen säuerlichen Geschmack. Viel Kohlensäure mit großen Kohlensäure-Bläschen wird als aggressiv wahrgenommen, während viele kleine Bläschen als angenehm und spritzig bewertet werden. Das Wasser wird im Vergleich zu stillem Wasser insgesamt als frischer wahrgenommen.  

Optimale Mineralisierung

Ein hoher Gesamthärtegrad des Wassers, also viel Calcium und Magnesium sind gesundheitlich von Vorteil und entgegen der Meinung vieler Menschen nicht für Kalkablagerungen im Körper verantwortlich. „Verkalkung“ von Arterien entstehen durch schlechte Essgewohnheiten und nicht durch hartes Wasser.

Trotzdem wird das Leitungswasser bei hohen Härtegraden häufig mit Ionenaustauschern, sogenannten Enthärtern behandelt, um den Kalkgehalt des Wassers zu reduzieren. So sollen Armaturen und Haushaltsgeräte vor dem Verkalken geschützt werden. Allerdings verliert das Wasser dabei weitgehend wertvolles Calcium und Magnesium, die für den Trinkgenuss und den Wassergeschmack eher gut sind.

Quellen: